PRESSEARTIKEL ZUM THEMA EHEC
30.06.2011
EHEC-Erreger: Neue Spur führt nach Ägypten
Bockshornkleesamen aus Ägypten spielen beim EHEC-Ausbruch in Deutschland eine Rolle, erklärten Experten. Es gibt aber noch Unklarheiten.
Rom/Hamburg. Stammt der für die EHEC-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich verantwortliche Erreger aus Nordafrika? Es gibt eine neue Spur. Bockshornkleesamen aus Ägypten spielten bei beiden Ausbrüchen eine Rolle, erklärten die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Europäische Zentrum zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC).
Zwar gebe es noch immer zahlreiche Unklarheiten, ob der Samen tatsächlich Auslöser sämtlicher EHEC-Erkrankungen sei. Doch in dem gemeinsam vorgelegten Bericht hieß es weiter, dass 2009 aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen offenbar an dem Ausbruch in Frankreich, 2010 importierte Samen offenbar an dem Ausbruch in Deutschland beteiligt gewesen seien. Dies erkläre allerdings nicht den EHEC-Toten in Schweden, wo Sprossen keine Rolle gespielt hätten.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) registrierte 47 Todesfälle in Deutschland im Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmkeim. In Frankreich wurde über acht Fälle von EHEC-Erkrankungen berichtet. Sieben Menschen werden in Bordeaux im Krankenhaus behandelt, ein Patient wurde bereits entlassen. In 15 Ländern wurden weitere 119 EHEC-Fälle bekannt, deren Ursprung auf eine Sprossenfarm in Deutschland zurückgeführt wurde.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO betrachtet den EHEC-Ausbruch in Frankreich separat. Sie räumte allerdings ein, dass von den acht Fällen in Frankreich drei die gleichen Bakterienstämme wie in Deutschland aufwiesen. Das klinische Bild bei den französischen Fällen ähnele dem in Deutschland.
Wie gefährlich ist EHEC im Wasser?
Die Gefahr schien eingedämmt - und jetzt das: In einem kleinen Bach im Norden Frankfurts sind Keime des neuen, besonders aggressiven EHEC-Stamms O104:H4 gefunden worden, an dem seit Mai 38 Menschen gestorben sind. Das hessische Umweltministerium verbot zwei an den Bach grenzenden Höfen, ihre Produkte - Kartoffeln und Zuckerrüben - mit Wasser aus dem Bach zu bewässern.
Dabei war zuletzt etwas Ruhe eingekehrt: Die Zahl der Neuinfektionen ging zurück, Sprossen waren als Ursache der Erkrankungen ausgemacht, die Behörden hoben ihre Warnung vor Blattsalat, Gurken und Tomaten auf. 85 Prozent der Deutschen essen wieder Rohkost, wie eine Umfrage von "Bild am Sonntag" am Wochenende ergab. Vor drei Wochen hatten noch fast 60 Prozent darauf verzichtet.
Nach dem Fund in Frankfurt sind Experten alarmiert; sie untersuchen nun, wie der Keim in den Bach kam.
Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Wo liegt dieser Bach und wie kamen die Keime dort hinein?
Der Erlenbach entspringt in der Nähe der Saalburg im Taunus und mündet nach rund 20 Kilometern bei Bad Vilbel in die Nidda. Er durchfließt den Hochtaunuskreis, die nördlichen Ausläufer Frankfurts bis in den Wetteraukreis. Zwischen Ober-Erlenbach und Nieder-Erlenbach steht eine Kläranlage. Über sie sind möglicherweise die aggressiven EHEC-Bakterien in das Gewässer gelangt. "Derzeit scheiden viele Menschen den Erreger aus", sagte der EHEC-Forscher Helge Karch von der Uniklinik Münster. "Wir können also nicht ausschließen, dass er sich in unserer Umwelt bereits eingenistet hat."
Kommt EHEC im Abwasser vor?
Normalerweise kommen EHEC-Keime im Kot von Tieren vor. "In das Abwasser können sie über Schlachthofabwässer oder mit Tierfäkalien verunreinigtem Regenwasser gelangen", erklärt das Umweltbundesamt in Dessau. Allerdings gebe es immer mehr Hinweise, dass der neue EHEC-Stamm Merkmale von krankheitserregenden Keimen beim Menschen trage, sogenannten EAEC-Erregern. Insofern könnte dieser EHEC-Stamm über menschliche Fäkalien verbreitet worden und darüber auch ins Abwasser gelangt sein.
Filtert eine Kläranlage die Bakterien nicht heraus?
Nein. "Generell vermindern Kläranlagen die im Abwasser enthaltenen Keime, damit ist das gereinigte Abwasser aber nicht hygienisch unbelastet", so das hessische Umweltministerium.
Kann EHEC über Bewässerungswasser auf Obst und Gemüse gelangen?
Ja. "Oberflächenwasser, das zur Bewässerung verwendet wird, kann durch Abwassereinleitungen und durch direkten Eintrag von Fäkalien verunreinigt werden und EHEC enthalten", sagt das Umweltbundesamt. Um das zu vermeiden, muss Wasser aus Bächen, Seen oder Regenwasser, das zur Bewässerung von Lebensmitteln "für den Rohverzehr" verwendet wird, in Deutschland bestimmte Normen erfüllen. Zu einem Infektionsrisiko beim Verzehr könnte es "nur kommen, wenn im weiteren Verarbeitungsprozess Bedingungen geschaffen werden, die den EHEC-Keimen ein Wachstum ermöglichen, sodass für eine Infektion relevante Konzentrationen auftreten", sagt das Umweltbundesamt. Das könnte bei den mit EHEC belasteten Sprossen so gewesen sein, denn sie wachsen bei Temperaturen, bei denen sich Keime gut vermehren.
Ist das Trinkwasser gefährdet?
Im Falle des Frankfurter Erlenbachs ist das laut hessischem Gesundheitsministerium nicht der Fall: "Eine Verbindung des Baches zur öffentlichen Trinkwasserversorgung besteht nicht."
Kann EHEC über das Trinkwasser verbreitet werden?
Dafür gebe es keine Anzeichen, so das Umweltbundesamt. Trinkwasser sei gegenüber anderen möglichen Infektionswegen (Lebensmittel, Tierkontakt) "selten direkter Überträger von Krankheitserregern wie EHEC, da in der Regel weder die Fäkalien von Tieren noch von Menschen in das Trinkwasser gelangen". Dies werde durch mehrere "Barrieren" sichergestellt, etwa durch die Aufbereitung in den Wasserwerken. Untersuchungen zeigten, dass Escheria coli, zu denen auch EHEC zählt, im Trinkwasser großer Wasserversorger (mehr als 5000 Verbraucher) "äußerst selten" gefunden würden.
Ist der gefährliche EHEC-Erreger auch in Norddeutschland im Wasser entdeckt worden?
Nein. Weder in Hamburg noch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen wurden die Erreger in Wasser nachgewiesen. "Wir untersuchen schon seit Wochen Proben aus Brunnen in Betrieben und haben bisher nichts gefunden", sagte der Sprecher des niedersächsischen Agrarministeriums, Gert Hahne.
Wie kann man sich generell vor EHEC-Erkrankungen schützen?
Es gibt diverse EHEC-Varianten. Der beste Schutz vor den Krankheitserregern ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Dem Robert-Koch-Institut zufolge lässt sich das Risiko einer Infektion minimieren, indem Lebensmittel mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzt werden.
Artikel erschienen am 20.06.2011
Sandra Trauner und Marc Hasse im Hamburger Abendblatt
15.06.2011
BERLIN/BIENENBÜTTEL (dpa). Zum ersten Mal ist in Deutschland ein Kind an dem gefährlichen Darmkeim Ehec gestorben. Ein zweijähriger Junge aus Celle in Niedersachsen starb am Dienstag an den Folgen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS), sagte ein Sprecher des Landkreises. Die Zahl der Neuerkrankungen ging in Deutschland weiter zurück.
Über die Pfingstfeiertage wurden in Nord- und Ostdeutschland insgesamt 14 neue Ehec-Fälle registriert, darunter auch zwei neue HUS-Fälle. "Die heutigen Zahlen verstetigen den Eindruck vom Wochenende, dass der Scheitelpunkt der Neuinfektionen überschritten ist", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover am Dienstag.
Wie sich das in Niedersachsen gestorbene Kleinkind angesteckt hatte, war zunächst unklar. Es starb infolge von Nierenversagen und einer Auflösung von roten Blutkörperchen, wie der Celler Amtsarzt Carsten Bauer der Celleschen Zeitung bestätigte. In der Familie seien zudem der zehnjährige Bruder und der Vater an Ehec erkrankt.
"Wir werden uns auf Länderebene über Unterstützungsmaßnahmen unterhalten", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag nach Gesprächen mit Gemüsebauern bei Nürnberg. Der Deutsche Bauernverband berichtete, auf dem Gemüsemarkt sei nach der Entwarnung für Gurken, Tomaten und Salat eine leichte Entspannung festzustellen. "Noch ein paar Tage länger und es wäre langsam dramatisch geworden", sagte der Geschäftsführer der Reichenau Gemüse eG. Johannes Bliestle, am Dienstag. Rund 350 000 Euro Schaden seien den Gemüse-Erzeugern auf der Bodenseeinsel infolge der Ehec-Krise entstanden. Rund 650 000 Gurken und 2000 Kilogramm Tomaten mussten allein auf der Reichenau vernichtet werden.
Eine Sprecherin des Agrarministeriums betonte, dass bisher alle 400 Tests an im Land genommenen Proben negativ ausgefallen sindDas Bundesinstitut für Risikobewertung rät weiter davon ab, rohe Sprossen zu essen – auch keine selbst gezogenen. Ob jedoch auch Gemüse – wie beispielsweise Brokkoli oder Knoblauch – belastet sein kann, falls es aus belasteten Sprossen gezogen wurde, war noch unklar. Wie der Erreger auf die Sprossen des Biohofs Bienenbüttel in Niedersachsen gelangen konnte, ist weiterhin unklar.
Ein Ehec-Fund auf dem Salat eines Gemüsebauern aus dem fränkischen Fürth scheint nach ersten Erkenntnissen nicht in Zusammenhang mit der Epidemie zu stehen. "Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass es sich dabei um den gefährlichen Erreger-Typus handelt", sagte der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU).
Die Kliniken und Krankenhäuser laufen derweil am Limit. Blut und das für einige HUS-Patienten überlebenswichtige Blutplasma wird knapp. Blutspendedienste in den Krankenhäusern und Kliniken (siehe Verzeichnis für Hamburg und Umgebung) rufen daher dringend zu Blutspenden auf.
Die aktuelle EHEC-Welle treibt durch das HU-Syndrom eine Verknappung von Nieren voran.
Momentan warten in Deutschland etwa 8.000 Menschen auf eine passende Spenderniere. Die zusätzlichen 300 HUS-Patienten, welche ebenfalls eine Niere benötigen, haben die Kluft zwischen den Patienten auf der Warteliste gegenüber etwa 3.000 Nierentransplantationen pro Jahr, deutlicht verschärft.
lpl/ dpa
14.06.2011
Uke bittet um Blutspende am heutigen Weltblutspendetag
Hamburg (dpa) - Für die Behandlung der schwer kranken EHEC-Patienten ist viel Blutplasma nötig. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat daher am Dienstag erneut zum Blutspenden aufgerufen.
In den vergangenen drei Wochen seien allein am UKE mehr als 6000 Plasmakonzentrate für die Versorgung der HUS-Patienten eingesetzt worden, berichtete eine Sprecherin. «Das entspricht etwa der Menge an Plasma, die sonst in drei bis vier Monaten gebraucht wird.» Die Reserven müssten vor allem mit Blick auf die nahenden Sommerferien möglichst schnell wieder aufgefüllt werden.
In den vergangenen Tagen hätten bereits viele Menschen mit ihrer Blutspende geholfen, sagte der Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin, Sven Peine. «Die Hilfsbereitschaft und die Geduld der Spender ist beispiellos.»
Blutspenden kann in Deutschland fast jeder, vorausgesetzt er ist 18 Jahre alt und gesund. Ausgeschlossen sind beispielsweise Menschen, die drogenabhängig sind, sich in den letzten fünf Monaten tätowieren lassen haben oder sich einer größeren Operationen unterziehen mussten. Auch homosexuelle Männer und Menschen mit häufig wechselnden heterosexuellen Partnern sind nicht zur Blutspende zugelassen.
Vollblut können Frauen bis zu vier-, Männer bis zu sechsmal im Jahr spenden. Der Weltblutspendertag am 14. Juni ehrt diese Menschen.
Hier finden Sie eine Übersicht der Blutspendeeinrichtungen in und um Hamburg
Kühe sind Reservoir für EHEC.
(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)
Die Logik der billigen Lebensmittel"EHEC wurde förmlich gezüchtet"
Die Massentierhaltung ist widernatürlich, die Verbreitungswege völlig unübersichtlich, die Überwachung vorsintflutlich - und nichts ändert sich. "Gehen Sie mal zu Rewe und suchen was Regionales, da finden Sie vielleicht drei Kisten Äpfel", sagt der Autor Hans-Ulrich Grimm. "Das ist lachhaft." Die EHEC-Bakterien seien mit Mais und Kraftfutter förmlich gezüchtet worden.
n-tv.de: Gibt es etwas, das alle Lebensmittelskandale gemeinsam haben?
Hans-Ulrich Grimm: Lebensmittelskandale werden heute dadurch befördert, dass es diese unübersichtlichen industriellen Produktions- und Verteilungsstrukturen gibt und dass die Verantwortung dafür privatisiert ist. Wenn dann der Staat nachweisen soll, was die Quelle eines Problems ist, steht er meist dumm da.
Die Opposition kritisiert, dass eine Koordinierung der Kontrollmechanismen in Deutschland fehle. Liegt es wirklich an den Strukturen?
Ja, die Überwachungsstrukturen sind vorsintflutlich. Angesichts einer globalisierten Nahrungsmittelproduktion ist es absolut lächerlich, dass die Bundesländer für die Lebensmittelkontrollen zuständig sind. Das hätte schon längst angepasst werden müssen. Aber das kommt bei jedem Lebensmittelskandal wieder aufs Tapet, daran will niemand wirklich etwas ändern.
Jetzt stehen Gurken, Salat, Tomaten und Sprossen unter Verdacht. Was hat dann Massentierhaltung mit EHEC zu tun?
Mit den ursprünglichen EHEC-Keimen hat die Massentierhaltung sehr viel zu tun. Der erste von ihnen kam 1982 bei McDonald's in Hamburgern vor, er wurde deshalb "Hamburger-Keim" genannt. Diese EHEC-Bakterien hatten sich durch artwidrige Fütterung ausgebreitet, sagte der Münsteraner EHEC-Experte Professor Helge Karch schon vor Jahren. Nach amerikanischen Regierungsstudien werden bei Grasfütterung die EHEC-Bakterien im Verdauungstrakt der Rinder zu 99,99 Prozent abgetötet. Die übrigen 0,01 Prozent verenden, wenn sie ausgeschieden würden. Mit Mais und Kraftfutter dagegen werden diese EHEC-Bakterien förmlich gezüchtet, werden auch widerstandsfähiger gegen Säure, auch gegen die menschliche Magensäure. Dadurch werden sie gefährlich.
Und die Verteilungsstrukturen?
Die Massenproduktion hat zur Folge, dass von einem Standort aus unglaublich viele Menschen erreicht werden. Wenn dieser Standort Krankheitserreger verbreitet, kann das zu Epidemien führen. In San Diego ist damals, Anfang der 80er Jahre, ein Kind an einem Hamburger gestorben. Damals war es so, dass man Gentests machen musste, um den Keim vom Hamburger zurück in die Produktionsstätte zu verfolgen. Von welcher Farm der Keim kam, konnte nie festgestellt werden. Das ist ganz typisch. Beim bisher größten EHEC-Ausbruch, 1996 in Japan, dauerte es ein halbes Jahr, bis man herausfand, dass Rettich-Sprossen die Quelle waren.
Glauben Sie, dass es noch möglich ist, die Quelle der aktuellen EHEC-Infektion zu klären?
Die Vergangenheit lehrt, dass es schwierig ist, aber möglich ist es schon.
Wie kommt der EHEC-Keim überhaupt aufs Gemüse?
Der Keim kommt zwar aus der industriellen Massentierhaltung, breitet sich aber unglaublich schnell aus. In Kanada hat es schon EHEC-Infektionen gegeben, die aus dem Trinkwasser kamen. Auch in Bayern sind nach Regierungsuntersuchungen Trinkwasser-Versorgungseinrichtungen belastet. Sogar in bayerischen Bergbächen sind EHEC-Erreger schon festgestellt worden.
Der aktuelle EHEC-Stamm ist vor zehn Jahren erstmals in Deutschland aufgetaucht. Wie alt ist dieser Erreger?
Darüber weiß man bis jetzt noch nicht so arg viel. Man kann offenbar auch keine unmittelbare Verwandtschaftsbeziehung feststellen zwischen dem aktuellen Erreger O104:H4 und dem O157:H7, der bisher der bekannteste Bösewicht war.
Sind Bio-Produkte eine Alternative? Da gab es schließlich auch schon Lebensmittelskandale.
Ich bin ja ein absolut ideologisch verbohrter Bio-Anhänger (lacht). Aber diesen Rohkost- und Salatwahn habe ich noch nie verstanden. Ich fand schon immer suspekt, dass man diese komischen blassen Sprossen tagelang unter Plastik hält und dann im Büro isst. Solche Bio-Sachen mögen ja aus Liebe zu Mutter Erde hergestellt worden sein, aber wenn man die über weite Distanzen transportiert oder lange aufhebt, dann ist das natürlich auch naturwidrig. Irgendwann setzt einfach der Keimbefall ein.
Gibt es denn angesichts der wachsenden Weltbevölkerung eine Alternative zur massenhaften Produktion von Lebensmitteln?
Ich war in China, um genau dieser Frage nachzugehen. Zu meiner Überraschung stellte sich heraus, dass die dort zu größten Teilen von einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft ernährt werden. Ich war in Peking auf dem Großmarkt, der die Stadt mit ihren 15 bis 18 Millionen Einwohnern beliefert. Der Markt wird, sagte mir der Leiter, von 80 Millionen Kleinbauern beliefert. Man kann die Menschheit der Zukunft durchaus kleinbäuerlich ernähren. Die Frage ist, ob das jemand will. Vom jetzigen System profitieren halt unglaublich viele. Allein die spanischen Gemüsebauern haben jetzt angeblich einen Schaden von 200 Millionen Euro pro Woche. Nur mit Gurken und dergleichen. Wer 200 Millionen umsetzt pro Woche, hat ein massives Interesse an diesem System.
Könnte es nicht bei den Konsumenten eine Trendwende geben?
Ja, könnte - im Konjunktiv. Alternativen gibt es immer. Wenn etwas menschengemacht ist und nicht gottgegeben, dann können die Menschen das auch verändern. Aber gehen Sie mal zu Rewe und suchen was Regionales, da finden Sie vielleicht drei Kisten Äpfel. Das ist lachhaft, das ist alles bloß Marketing-Gehype. So bald etwas zu teuer ist oder zu aufwändig in der Herstellung oder die Transporte nicht übersteht, hat es im Supermarkt keine Chance, egal wie gesund es ist. Das beste Beispiel ist Leinöl, das gibt es im Supermarkt auch nicht, weil es einfach nicht lang genug hält. Das kann gesund sein, wie es will.
Was gab es bei Ihnen heute zum Mittag gegessen?
Nudeln mit Gemüse, aus dem Wok - wir machen das immer aus dem Wok.
erschienen bei ntv
